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Kreislehrgarten beherbergt Weinhügel

Tafeltrauben von 40 Stöcken durch Landrat Kneidinger und Bürgermeister Hammer verkostet

Freuten sich über die reiche Ernte am "Weinhügel" im Kreislehrgarten: Landrat Raimund Kneidinger (v.l.), der Gartenbau-Kreisverbandsvorsitzende Josef Hirschenauer, Gartenpflege-Seminarreferent Otto Bichlmeier und Bürgermeister Manfred Hammer. −Foto: Brunner

 

 

Fürstenzell. Einen echten Weinhügel mit sehr gutem und wohlschmeckendem Ertrag gibt es im Kreislehrgarten in Fürstenzell, nur einen Steinwurf vom historischen Weinhügel im Markt, zu bewundern. Landrat Raimund Kneidinger und Bürgermeister Manfred Hammer verkosteten nun die Ernte, die freilich aus reinen Tafeltrauben besteht und sich nicht zur Vinifizierung eignet. 40 Rebstöcke bedeuten dennoch viel Arbeit für Fachmann Otto Bichlmeier aus Haarbach, der vielen Gartenbesitzern von seinen Baumschneidekursen bekannt ist. "Die Trauben entwickeln sich hervorragend", schwärmte Josef Hirschenauer, Vorsitzender des Kreisverbandes für Gartenkultur und Landespflege.

"Wir wollen ein bisschen was herzeigen, was da passiert", formulierte Hirschenauer als Hintergrund des Treffens im Kreislehrgarten. Viele Interessierte kämen in die Einrichtung, um sich Informationen für die Pflege des eigenen Gartens zu holen. "Die Leute nehmen das Wissen mit nach Hause", berichtete der Kreisvorsitzende und verwies auf das umfangreiche Seminar-Angebot, das in diesem Jahr freilich infolge der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Infektionsschutzmaßnahmen weitestgehend ausfallen musste. Dessen ungeachtet suchten an den Wochenenden zwischen hundert und 150 Neugierige den Kreislehrgarten auf, um sich Informationen zu holen, so Hirschenauer.

Der Dank des obersten Gartlers im Landkreis galt in erster Linie dem Landrat und dem Fürstenzeller Bürgermeister für die Unterstützung, aber auch den Gartenbau-Kreisfachberatern im Landratsamt, Gundula Hammerl und Josef Anetzberger, für die hervorragende Betreuung der Einrichtung. Hirschenauer versprach, das Kursspektrum im Kreislehrgarten – Beginn ist immer im Februar mit einem Seminar in Theorie und Praxis mit durchschnittlich rund 40 Teilnehmern – fortzuführen, sofern der Pandemie-Verlauf dem nicht entgegenstehe. Für das Jahr 2021 seien schon viele Termine vorgeplant. "Wahrscheinlich werden es 24 Seminare", gab der Vorsitzende des mit 16700 Mitgliedern in 64 Ortsvereinen drittgrößten Kreisverbandes in ganz Bayern bekannt.

"Das ist ein spannendes Jahr heuer" "Das ist ein spannendes Jahr heuer", räumte der seit dem 1. Mai amtierende Landrat ein und machte die Umstehenden darauf aufmerksam, dass diese Zusammenkunft sozusagen die erste Gartenveranstaltung 2020 sei, weil eben viel abgesagt habe werden müssen. Umso mehr dankte Raimund Kneidinger den Gartenbauvereinen für das Verantwortungsgefühl zum Schutz der Bürger, wegen Corona auf die Durchführung von Veranstaltungen zu verzichten. "Wir müssen halt mal aussetzen, es hilft nichts", unterstrich der Landrat, der den Kreislehrgarten als Besonderheit in der Region, als "Vorzeige-Garten", rühmte. Hier werde die Arbeit der Gartenbauvereine zum Ausdruck gebracht.

Neben dem Dank für die Pflege und Betreuung des Areals kam Kneidinger auch auf die Vielzahl von Diskussionen um die umstrittenen privaten Steingärten zu sprechen. Er sei kein Freund von Verboten, sondern setze lieber auf Aufklärung der Grundstücksbesitzer, bekundete der Landrat und gab zu bedenken, dass ein Steingarten entgegen der weitverbreiteten Überzeugung keinesfalls pflegeleichter sei als eine Grünfläche. Kleine Steingartenbereiche wolle er grundsätzlich nicht verteufeln, erklärte Kneidinger, der hinzufügte: "In meinem Garten wächst alles." Gartenarbeit pries er als willkommenen persönlichen Ausgleich zum Alltag an.

Von "Romulus" bis "Muscat Bleu" Auf die Besonderheit der vom Coronavirus beherrschten Situation verwies ebenso der Fürstenzeller Bürgermeister. "Das ist heute mein erster gemeinsamer Termin mit dem Landrat in Fürstenzell", gestand Manfred Hammer ein, der seine Freude über die starke Frequentierung des Kreislehrgartens zum Ausdruck brachte. Mit noch mehr Zulauf rechnet er dank der "interessanten Nachbarschaft" des neuen "Zentralparks" Thurnerbauerwiese – und zwar durch alle Altersgruppen auch wegen der zentralen Lage mitten in Fürstenzell.

Lehrreich war die Liste der im Kreislehrgarten angebauten Tafeltrauben-Sorten, die Josef Hirschenauer verteilte. Die Reben tragen so historisch wohlklingende Namen wie "Romulus", eine veredelte, pilzfeste und robuste helle Sorte, die sehr frosthart ist und sich für ungünstige Lagen gut eignet. Ins Ohr geht ebenso "Muscat Bleu", eine blaue Traube, die – wie schon der Name vermuten lässt – ein angenehmes Muskataroma besitzt. Sie bietet sich sowohl zum Sofortverzehr als auch zur Saftgewinnung an. Zu verkosten gab es auch "Fanny", "Ontario", "Druschba", "Venus" und "Palatina".

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Bernhard Brunner